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sandibalandi.de.tl - Tagebuch Nr.17


05.03.2012
Liebes Tagebuch!
Mensch... ich dachte echt ich dürfte heute nach hause.. ich fühl mich besser und ich dachte das ich die Woche Blumen einpflanzen könnte,aber nein. Soeben war Visite. Meine Blutwerte sind sehr schlecht. Die Leukos sind auf 1,4 gesunken und auch die anderen Werte, wie der Entzündungswert sind im unteren Bereich. Hmm... nun wird jeden Tag kontrolliert und es darf niemand zu mir der auch nur ein wenig Husten hat... keiner der eine Erkältung hat und sich trotzdem gut fühlt. Ich darf mich nicht stoßen, weil ich sonst Hämmatome (wird das so geschrieben?) bekommen könnte. Es können bei diesem Blutbild sogar innere Blutungen entstehen. Krass!!! Für diese Chemo aber typisch. Die meisten müssen, so wie ich, am achten Tag eingeliefert werden mit den gleichen Symphtomen (wird das so geschrieben?) ... dabei dachte ich ,ich mach mir eine tolle Woche im Garten.. falsch gedacht. Nun gut, dann muss ich eben noch etwas warten.. dumdi dumdidum.... la la la... hmm.. aber ich hab hier eine tolle Aussicht,die besten Schwestern und gute Ärzte. Und noch immer Ruhe auf dem Zimmer Ich bin also ganz allein Nur leider vermisse ich die Kinder sehr. Mein kleiner Hacki und mein großer Julién Aber es geht ihnen gut.

06.03.2012
Liebes Tagebuch!
Die Sonne scheint und ich sitze im ruhigen schönen und modernen Zimmer im Krankenhaus. Leider sind die Blutwerte noch mehr gesunken... hmm.. Mist :/ also noch länger bleiben als geplant :/ wenn man denn von einem Plan überhaupt reden kann. Aber ich freue mich so sehr über die Sonne, das es mir gerade egal ist, das ich hier bin. Ich geniesse die Ruhe und die Sonne, sie scheint mir ins Gesicht Trotz das die Leukos auf 1,1 sind und die anderen Werte auch alle schlechter als gestern sind, sind die Ärzte bei mir optimistisch. Sie sagen, sie sehen gut aus und fühlen sich gut, dann werden die Werte sicher bald wieder ansteigen. Morgen ist Chefvisite und wenn die Werte wieder ansteigen, darf ich nach Hause... ich möchte so gerne in meinen Garten Blumen kaufen und pflanzen, die Beete fertig machen, in der Erde wühlen und die frische Luft ein und ausatmen Aber das läuft mir ja nicht weg. Dafür hab ich hier im Krankenhaus wunderbare Träume )) haha.. ich träumte von David Hasselhoff er war mein Fahrer und fuhr mich und meinen Liebsten von Laden zu Laden um unsere Hochzeit vorzubereiten ) und plötzlich.... bekam ich was ins Ohr gesteckt... häää... was ist das jetzt? Aaaach die Nachtschwester die meine Temperatur misst... hmm... und sie sagte mit leiser Stimme: schlafen sie weiter .... ja, wenn das so einfach wäre.. wie soll ich denn jetzt noch an Brad Pitt denken? Oh, ich sollte dazu sagen, das mein Liebster Brad Pitt war und ich natürlich so aussah wie früher, schlank und schön haha... Träume sind schon was feines.

07.03.2012
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag liebe Tante Elke
Liebes Tagebuch!
Man ,man ,man, was in ein paar Stunden so alles passieren kann Gestern Abend war ich bei Facebook im Chat. Ich schrieb mit einigen Schätzen, die einen bei mir daheim, die anderen in der Schweiz oder auch in Gevelsberg und dann plötzlich... BING... eine Nachricht vom Oberarzt. Er fragte wie es mir geht und das er es nicht geschafft hätte heute hoch zu kommen, da er unten klebte. Wie schrieben über die Blutwerte. Dann sagte er: wir stimulieren jetzt das Knochenmark mit Granocyte (einer Spritze) um die Leukos hochzubekommen. Es kann zwar Knochenschmerzen verursachen, da das Knochenmark dann mehr arbeiten muss, doch so beschleunigen wir den Aufstieg. Ich dachte sofort: nein, nicht schon wieder Schmerzen.. und ich wurde ein wenig sauer auf den lieben Oberarzt Er schrieb dann: es kommt gleich jemand!! Und ich komme morgen!! Ich erschrak!! .. und blickte zur Tür. Ich fragte mich, um 23 Uhr, kommt gleich wirklich jemand? Und was bekomme ich? Eine Tablette? Eine Infusion? Eine Spritze Aaaaaaaahhhh... nicht wieder pieksen!!! Und tatsächlich... die Tür ging auf.. die Nachtschwester kam mit Mundschutz und Spritze in der Hand. Ich krallte mich an meine Bettdecke und biss die Zähne zusammen. Sie kam näher und näher... :/ ... sie sagte: Sie sollen Granocyte bekommen, alleine schaffen sie es nicht. Ich machte den Bauch frei und schloss schnell die Augen.. biss auf die Zähne und war total angespannt... huäää... wieder ein Piekser... Aaach, ausatmen. Ich merkte nichts sehr gut gestochen Schwester. Dann sagte ich voller Angst: krieg ich jetzt gleich Schmerzen. Und sie sagte: wahrscheinlich im Becken, in den Knochen. Ich fragte sofort nach Schmerzmitteln.. hihi.. und bekam sie auch. Die Nacht konnte ich gut schlafen, doch ich vermisste Brad Pitt. Ich träumte irgendetwas anderes und wachte verwirrt auf. Wo war Brad? Schade... doch nicht bei einer anderen??!! Das wird er mir doch nicht antun.. einer so kranken Frau... ach ne.. im Traum war ich ja gesund, schlank und schön wie früher. Hmm.. tja, mal sehen. Sicher kommt er diese Nacht wieder Dann ging ich heute morgen duschen.. dumdi dum di dum.. la la la... warmes Wasser.. Ruhe .. Zeit alles gut,als plötzlich eine Stimme rief: Frau Ruppi Huch.. ich: Jaaa, ich steh unter der Dusche. Blutabnahme!! Oh... schnell die Dusche aus,abtrocknen,anziehen, Gott sei dank habe ich keine Haare, dachte ich... Mütze aufm Kopp und raus... Die Schwester sagte: um 9.30Uhr ist C
hefarzt-Visite, da wollen sie schon das Blut haben. Also der nächste Piekser. Danach kam direkt die Ärztin und schien alles perfekt machen zu wollen für den Chefarzt. Sie erklärte mir das sie die Werte haben will und plötzlich schaute sie in die Akte und sagte:... sie haben Granocyte bekommen??? Ein großes Fragezeichen tat sich in ihrem Gesicht auf..  ? .. Ihr Gehirn arbeitete.. doch sie kam nicht darauf das der Oberarzt von zuhause aus, um 23 Uhr , die Anweisung gegeben hatte, der Patientin diese Spritze zu verabreichen. GRINS .. das war schon aussergewöhnlich. Sie ging also sprachlos wieder aus dem Zimmer und bereitete die Visite vor. Ich frühstückte und schaute mir die Serie "Ein Engel auf Erden" an. Der Tag fing also schon gut an. Mit einem Lächeln im Gesicht,den Kopfhörern auf dem Schädel und meinem Pfefferminztee in der Hand, kaute ich mein Brötchen und war gespannt auf den Chefarzt. Nochmal kurz nachgedacht ob meine Augenbrauen noch da sind,wartete ich nun.. viele Stimmen auf dem Flur.. ich hörte meinen Namen und die Tür ging auf.. Viele Männleins und Weibleins in weiß kamen ins Zimmer hinein. Allen voran der Chefarzt. Guten Morgen .. Huhuuu,dachte ich Es versammelten sich alle um mich und der Chefarzt war bester Laune und fragte nachdem was ich da machen würde. Er meinte meine gefilzten Pilze. Ich sollte ihm dazu alles erklären... das tat ich natürlich und dann ratterte die Ärztin meine Diagnose und Therapie hinunter. Ich grinse immer bei den Befunden, doch trotzdem trifft es einen immer wieder wie ein Schlag wenn man die ganze Schose nocheinmal hört,und dann noch mit diesen vielen Ärzten und in einem Krankenhaus im Bett. Buff... Stempel auf der Stirn wo steht: metastasierendes Mammacarzinom, mit Metastase in der Axilla,Lungenmetastasen, befindet sich im Moment im ersten Zyklus der Chemotherapie Carboplatin/ Gemcitabine... wurde am 8ten Tag eingeliefert mit Schmerzen in den Knochen,Magenbeschwerden,Übelkeit und Erbrechen. Blutwerte sanken. Leukozyten auf 1,1,nach Spritze nun auf 3,3, Thrombos wieder gesunken auf 39. Buff... Stempel wieder in die Tasche! Der Chefarzt schaute mich an und sagte: arme Frau. Nochimmer grinste ich... wie soll es auch anders sein... mensch Sandi... du Grinsebacke! Du darfst auch mal anders schauen. Nee... natürlich nicht. Wieso auch? Das Leben ist so gut zu mir. Ich liege im Krankenhaus,meinen Kindern geht es daheim gut,meine Mama ist da, mein Liebster der sich kümmert, es sind alle gesund, meine Leukos sind gestiegen.. wenn jetzt noch die Sonne scheint, dann ist es kaum noch auszuhalten so gut WOW... einfach fantastisch! Stell sich einer vor, und ich krieg gleich noch einen NEUEN JOGGINGANZUG mitgebracht. Mensch is dat Leben gut zu mir. Ich komme aus dem Grinsen doch gar nicht mehr raus. Und so eine Ruhe zum Schreiben meines Tagebuches hatte ich auch noch nie... ne ne.. einfach Wahnsinn.

08.03.2012
Leukozyten 4,6 WOW
Thrombozyten 31 schlecht

Liebes Tagebuch!
Tja,leider immernoch diese schlechten Werte. Der Entzündungswert hat sich verschlechtert,die Thrombos sind weiter gesunken,nur die Leukos steigen ... sogar auf 4,6. Mittlerweile vermisse ich meine Kinder so sehr... aber ich kann nicht heim, denn da besteht zuviel Gefahr das ich mich stoße. Ich soll mich behandeln wie ein rohes Ei .. schwierig bei mir, denn ich bin echt ein Tollpatsch. Zuhause stoße ich mich andauernd. Alleine der Weg durch den Flur zur Küche ist gefährlich. Dadurch das ich noch immer manchmal dieses Taubheits-Gefühl in den Füßen habe, von der letzten Chemo,gehe ich öfters wie eine Ente ... watschel watschel... buff gegen den Türrahmen. Jetzt bei der niedrigen Thrombozyten-Anzahl kann das gefährlich werden und sogar innere Blutungen hervorrufen Einfach Mist! Jeden Morgen hab ich die Hoffnung das die Werte endlich steigen, dann wird gesagt das sie gesunken sind und man muss wieder 24 Stunden länger warten auf die nächste Blutabnahme, und kann wieder nur hoffen. Und noch immer bin ich allein auf dem Zimmer. Die Italienerin, die bis Sonntag mit mir auf dem Zimmer lag, kam nicht wieder zurück. Ich hörte das sie eine Lungenentzündung hat und auf der Intensivstation liegt. Dann kam einmal ihr Mann und holte etwas aus ihrem Schrank, denn all ihre Sachen waren noch immer da. Ihr Mann erzählte mir in schlechtem deutsch, das sie im Koma liegen würde. Doch da die Schwester mir danach nocheinmal sagte, das sie evtl. wieder aufs Zimmer kommen würde, dachte ich es würde ihr bald besser gehen. Doch dann... Ich lag gerade nach dem Mittagessen in meinem Bett und die Türe ging auf. Die drei Söhne der lieben Frau kamen mit Tränen in den Augen ins Zimmer, sie sagten mir guten Tag und fingen an ihre Sachen in Taschen zu räumen. Sie sprachen italienisch und weinten dabei. Ich war wie gelähmt und war geschockt. Ich stellte mir die Frage: ist sie nun gestorben? Was ist passiert? Sie waren so traurig und weinten immer wieder das ich sie nicht fragen wollte und konnte doch ich hab fast mit geweint. Und als sie fertig waren sagten sie noch kurz zu mir: gute Besserung. Ich brachte nur ein leises "Danke" heraus und die Tür ging zu. Ich hatte das Gefühl das ich ein Kloß im Hals stecken hatte. Ich schaute zum Fenster heraus und erinnerte mich an die Tage und Nächte mit ihr in einem Zimmer. Sie hieß Angela. Obwohl ich nicht weiß was passiert ist, sie tot ist oder im Koma,oder im Sterben liegt... ich weiß nur es ist ein schreckliches Gefühl und ihre Familie leidet nun. Ich erinnerte mich wie sie von ihrer Familie erzählte. Sie war so voller Stolz und voller Liebe. Sie sprach von ihren Söhnen und ihren lieben Schwiegertöchtern und Enkelkindern. Die Schwiegertöchter sind sogar alles Schwestern und endlich war unter den Enkelkindern auch Mädchen Und ihre erste Enkelin bekam sogar ihren Namen. Sie erzählte mit soviel Liebe von ihrer Familie. Und sie sagte immer das ich ihr so leid tun würde. An einem Abend erzählte sie sogar von einer jungen Frau, so alt wie ich, eine Tochter, und sie hat auch Krebs. Paula. Sie kannte diese Frau von klein auf,ihre ganze Familie kannte sie... und es kam heraus,das ich ihre Schwester kenne und ich sogar mal im Oktober 2011 von ihr geschrieben habe. Die junge Frau mit der Metastase im Kopf, die operiert wurde. Mittlerweile bekommt sie Bestrahlung und Chemotherapie abwechselnd, und ihr geht es auch nicht gut,laut meiner letzten Informationen Auch für sie darf ich nicht vergessen zu beten. Gerade kam ein neues Bett aufs Zimmer und ich fragte die Schwester was mit der Frau ist. Sie dürfen ja keine Auskunft geben, doch weil ich mir solche Sorgen machte sagte mir die Schwester: Ihr geht es nicht so gut. Ich sagte darauf: aber sie lebt?! Und sie sagte: ..... ja... noch...

Leise ging sie wieder aus dem Zimmer..

Ich denke,sie wird auch lungenkrank sein, denn sie konnte ohne Sauerstoffgerät gar keinen Schritt mehr machen und die Befunde von der CT-Untersuchung waren noch nicht da. Sie hatte 40 Jahre geraucht und vor 4 Jahren hatte sie auch Brustkrebs wie ich. Vom Körper her ähnelten wir uns sehr. Ihr fehlte auch eine Brust, wir sind beide klein und möppelig Ich rede schon von ihr in der Vergangenheit... wobei sie noch lebt.. doch ich habe ein sehr schlechtes Gefühl. Zuviele sind es nun, die starben,die Krebs haben,die kämpfen. Von allen Seiten höre ich nur noch Krebs und Tod. Soviele junge Menschen,junge Mütter mit Kindern... es hört nicht auf,ganz im Gegenteil, es wird immer mehr! Aber man kann nichts dagegen tun. Lebe jeden Tag, koste jeden Tag aus. Immer und immerwieder schaue ich raus, aus dem Fenster, von hier aus sehe ich die Autobahn. Tag und Nacht fahren dort die Autos. Das Leben geht immer weiter, ob jemand stirbt oder geboren wird... es läuft... Und am liebsten würde ich mit einem Menschen tauschen der gerade in einem dieser Autos sitzt. Vielleicht fährt dieser Mensch gerade zu seinem letzten Kunden für heute und freut sich schon auf zuhause,wo seine Familie auf ihn wartet. Oder dieser Mensch hat schon Feierabend und freut sich,sich gleich auszuruhen. Vielleicht aber, fährt dieser Mensch auch zu einem Treffen mit Freunden. Autobahn hab ich immer mit etwas Schönem verbunden. In den Urlaub fahren, zu Freunden, in ein schwedisches Möbelhaus oder auf Montage fahren. Ich habe immer gerne gearbeitet und würde es im Moment so gern wieder. Ein Schild beim Kunden beschriften, einen Kunden beraten... ja, das wäre schön. Einfach ein normales Leben führen. Aber das sind Dinge die nicht mehr zu meinem Leben gehören. Jetzt würde ich mich einfach freuen, wenn meine Thrombos steigen und die Ärzte sagen: sie können nach Hause zu ihrer Familie. Das wäre schön Ich kann nichts mehr planen, nur noch hoffen, das es morgen besser ist als gestern. Trotzdem weiß ich, das ich bald wieder auf einer Autobahn fahren werde , auf einer Wiese laufen und auf dem Bürgersteig gehen werde. Aber das allergrößte wäre es jetzt, meine Kinder in den Arm zu nehmen. Sie zu riechen, zu fühlen, zu sehen und zu spüren. Ihre Augen zu sehen, mit ihren langen geschwungenen Wimpern, ihr freudiges Lachen zu hören und ihre kleinen Hände in meinen zu fühlen... ja das wäre das aller GRÖßTE!!!

später am 08.03.2012
Liebes Tagebuch!
So, nun muss ich mich wohl damit abfinden das ich länger hier bleiben muss. Ich hatte gerade ein Gespräch mit der Schwester Wibke. Und ich hab sie über die Thrombozyten ausgefragt. Erst im äußersten Notfall bekommt man Thrombozyten verabreicht, sieht wohl aus wie Honig. Das ist aber dann wirklich ein absoluter Notfall, und da zähle ich noch lange nicht dazu. Ich fragte bei welchem Wert ich nach Hause darf. Sie sagte, das die Thrombos bei 120 sein müssen... dann fiel mir alles aus dem Gesicht... und ich sah mich die ganze nächste Woche noch hier. Aber morgen besuchen mich endlich meine Kinder und wer weiß... vielleicht steigen sie durch diesen Besuch In diesem Sinne: Gute Nacht Welt. Ich bin gespannt auf die Werte morgen


09.03.2012
Liebes Tagebuch!
Nicht zu fassen, ich bin tatsächlich zuhause... wie das kam? Ich erzähle es:

Wieder einmal ein Morgen im Krankenhaus auf Zimmer 118. Schon um 7 Uhr wurde mir Blut abgenommen und ich betete das die Thrombos gestiegen sind. Und wieder hieß es abwarten. Ich frühstückte und wartete auf die Ärztin. Die Ärztin kam zur Tür herein und mein Körper spannte sich automatisch an und ich wartete auf ihre Worte. Sie sagte: sie wollen nach Hause, richtig? Ja, sagte ich. Sie sagte das die Werte noch nicht da seien und wir noch warten müssen... Sie ging raus und kam nach einer Weile wieder. Ich und mein Schatz hatten schon Wetten abgeschlossen, wir beide dachten sie seien gestiegen. Die Türe ging auf und in dem Blick der Ärztin und ihrem kopfschütteln sahen wir bereits, das der Wert gesunken war leider sind die Thrombos nun bei 27 hmm.. und die Leukos? ----> Wow Leukos bei 5,7 .. hehe.. solche Leukos hatte ich das letzte Mal 2010 wahnsinn. Ich sagte zur Ärztin: .. und ich darferst nach Hause wenn sie bei 120 sind oder? Sie sagte: bei Chemopatienten können wir auch bei 100 schon entlassen. Nun gut, ich muckelte mich mehr und mehr unter die Decke und dachte schon über ein paar Pflanzen und Bilder im Zimmer nach. Und ich dachte,ich brauche Putzzeug, denn gestern habe ich schon vor Langeweile das Bad geputzt Dann sagte die Ärztin, das sie gleich mit dem Oberarzt spricht, was jetzt zutun ist. Etwas später dann kam meine Lieblingsschwester herein, sie gab mir fünf Tabletten Kortison, insgesamt 100mg. Sie sagte: das hilft. Gleich kommt dann nochmal die Ärztin zu ihnen. Wahnsinn, was für eine Menge Kortison, morgen müsste ich leuchten wie ein Glühwürmchen . Mein Schatz und ich waren noch immer schockiert über den schlechten Wert von 27 und saßen sprachlos im Zimmer. Dann kam die Ärztin zusammen mit einer anderen angehenden Ärztin herein und sagte: Sachen packen!!!! Häää...???? Ich hatte tausend Fragezeichen auf der Stirn stehen Wieso?? Es war ruhig im Zimmer.. bis mein Schatz sagte: ICH PACKE!!! Wir lachten und die Ärztin ging wieder aus dem Zimmer. Natürlich nachdem sie uns erklärte das ich zuhause bleiben muss und sehr auf mich aufpassen muss, und ich in zwei Tagen zur Blutkontrolle kommen soll. Ich hüpfte und lachte und schrie: Ich kann nach HAUSEEEEEEE hahahah.. kicher kicher... und Micha hatte ein "P" im Gesicht stehen. Schatz, sagte er voller Panik, pass auf!! Nicht das du dich jetzt stößt!! Aaaaaahhh.. trotzdem konnte ich nicht aufhören zu grinsen und zu lachen.... am liebsten hätte ich das Bett als Trampolin benutzt Wir packten die Sachen und ab ging es nach Hause wie schön!! Nun warte ich, das meine Kinder nach Hause kommen, ich freu mich so ihre Gesichter gleich zu sehen.

Danke für Eure Gebete!!! Ich freu mich so sehr


später am 09.03.2012
Es ist so schön daheim zu sein ich freu mich so sehr, endlich bin ich bei meinen Kindern. Es ist das größte in ihre strahlenden Augen zu sehen und Julién sagte eben: Mama, ich wollte dir mal was sagen, du bist die Beste Mama der Welt. Und dann nahm er mich in den Arm. Als ich ihn sah, nach langen 6 Tagen, hatte ich das Gefühl das er gewachsen ist. Ich sagte: oh, du bist größer geworden. Und er sagte: Mama... du weißt doch.. ich wachse jeden Tag Ja ich weiß sagte ich. Und als mein kleiner Jaque reinkam und mich ansah strahlten wir beide und ich nahm ihn in den Arm, ich wollte ihn nie wieder los lassen.Ich musste danach alles anfassen und riechen. Seine Hände, seine Augen ,seinen Hals, seine Füße.. einfach alles.. und seinen Geruch.. hmm... es war himmlisch. Und als wir gemeinsam auf der Couch saßen, rollten mir ein paar Tränen vor Glück über die Wangen Nun ist alles perfekt, denn ich bin wieder bei meiner Familie <3

10.03.2012
Liebes Tagebuch!
Das Kortison wirkt, schlaflos und glühend in die Nacht, steht nun der Morgen an und ich freu mich so zuhaus zu sein. Da ich eh nicht schlafen konnte, war es auch gar nicht schlimm das Jaque ins Bett gemacht hat und jammernd zu mir kam. Noch nie freute ich mich so sehr, das dieser kleine Mensch um 2 Uhr nachts zu mir tippelte um sich trösten zu lassen Mein Herz sprang vor Freude und ich wollte ihn gar nicht mehr loslassen. Die ganze Nacht hätte ich mit ihm im Arm auf der Couch sitzen können, so schön war es . Und auch Julién, der sonst durchschläft, hatte den Weg zu mir gefunden... nur jetzt bloß nicht stoßen Also wurde es sehr eng und ich musste irgendwann ausweichen in Julién's Bett. Da lag ich nun in dem kleinen Kinderbett und schaute mich um, denn schlafen konnte ich ja nicht. Ich schmiedete also Pläne wie man das Zimmer umstellen könnte, bzw. die Möbel... als ich plötzlich eine riesen Spinne entdeckte . Hmm.. was mach ich denn jetzt??? Wenn ich sie jetzt töten würde, würde ich mich vor Ekel so schütteln das ich gegen Tisch und Wand und Fensterbank knallen würde... also ginge dieser Plan schonmal nicht, denn das wäre Selbstmord Also den Mann im Haus wecken, damit er mich rettet Schnell war ich gerettet und konnte weiter an die Decke starren... dumdidumdi dum... aber ich hatte ein Lächeln im Gesicht, weil es so schön ist daheim zu sein


später am 10.03.2012
..ein wunderschöner, normaler Samstag mit meiner Familie geht zuende und ich bin dankbar für jede Sekunde
Ich bin einfach nur glücklich und zufrieden

11.03.2012
Liebes Tagebuch!
Leider fing der Sonntag nicht wie immer mit dem Gottesdienst an, sondern mit der Blutabnahme im Klinikum Es ist nicht wirklich ein Sonntag für mich ohne Gottesdienst.. nein das ist es nicht! Aber heute ging es nicht anders. Trotzdem hörte ich den ganzen Tag über Kirchenlieder und hatte eine tiefe Sehnsucht in mir. Als wir auf die Blutwerte im Krankenhaus warteten,in der Eingangshalle... mit Kaffee hörte ich plötzlich bekannte Kirchenlieder. Es kam von dem Gottesdienst der im Erdgeschoss des Klinikums stattfand. Es war ganz ruhig und wir schauten uns Zeitungen an.. doch ich konnte nicht sitzen bleiben und ging zu dem Gottesdienst. Als ich dort war, war es so anders wie bei uns... und ich ging wieder. Es war ein katholischer Gottesdienst und dort wird viel auswendig gebetet und ohne Gefühl, wie ich es empfinde, runtergeleihert. Es ist schön wenn Menschen einen Glauben haben, egal ob katholisch, evangelisch oder neuapostolisch (wie ich es bin). Der Glaube spendet Trost und hilft in allen Lebenslagen. Die Lieder zogen mich an, doch als ich das Gebet hörte, ging ich schnell wieder. Dann vermisste ich unseren Gottesdienst noch mehr und betrachtete alles ganz anders. Die schwangeren Frauen, die mit ihrer Nadel im Arm darauf  warteten das es richtig losgeht.. die Herren im Rollstuhl, die ständig raus rollten um eine zu rauchen und dann kam eine Frau zum Eingang herein mit einem kleinen Jungen an der Hand. Der kleine Junge war ca. 4 Jahre alt , wie mein kleiner Jaque, und trug eine Mütze. Es sah so aus, als hätte er keine Haare.. und ich dachte: oh nein, der arme kleine bekommt sicher auch Chemo Ich dachte, wie stark muss diese Frau sein um jeden Tag für ihr Kind da zusein, mit dem Kind zu lachen und zu spielen und ihm jeden Tag Lebensfreude zu geben. Und trotzdem mit dieser Angst zu leben, das das Kind sterben könnte. Traurig schaute ich den beiden nach... und es tat mir so leid und plötzlich... zog sie, wie selbstverständlich, dem Jungen die Mütze ab...und siehe da ---> er hatte Haare Oh Gott war das schön! Ich kann mein Gefühl kaum beschreiben. Mir lief eine Träne die Wange herunter und ich war so glücklich, das dieses Kind gesund war. Es war als würde die Sonne nach einem Jahr Regen aufgehen. Ein wunderschönes Gefühl. Obwohl ich das Kind und seine Mutter noch nie gesehen hatte, war ich froh das dieser Junge gesund ist. Und später sah ich, wie sie die Oma im Krankenhaus besuchten und fröhlich von ihr am Eingang verabschiedet wurden. Es ist schön das Leben auch von der schönen Seite zu sehen, das "Normale", das "Gesunde", das "Glückliche" Wir warteten am Kreissaal auf die Ärztin, die gleichzeitig auf die Blutwerte wartete und sich um die werdenden Eltern kümmerte. Dann machte sie die Türe auf mit dem Zettel auf dem meine Blutwerte standen und grinste Sie sagte: Kommen sie, sie sind da! Schnell und voller Neugier gingen wir ins Ärztezimmer,wir setzten uns, und sie sagte: was wetten sie? Sie wusste noch von Freitag, das wir Wetten abgeschlossen hatten über die Thrombos. Micha sagte: 61 ! ... und ich sagte: 51 Die Ärztin schrieb beide Werte auf einen Zettel und sagte dann: es sind 67 wuuuuu wir freuten uns riesig....




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